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Gertraud Wendlandt

 

Die gestaltete Form ist das Primäre bei der Idee und Gestaltung einer Plastik. Gertraud Wendlandt lebt als freischaffende Künstlerin in Mecklenburg. Grundlage ihres plastischen und zeichnerischen Schaffens war und ist stets die Figur, der nackte menschliche Körper, das dominierende Thema der abendländischen Plastik seit der Antike. Fast immer neigt die Künstlerin dazu, ihren figurativen männlichen und weiblichen Akten und Köpfen aus Ton, Beton und Bronze eine in sich ruhende, beinahe architektonisch wirkende Stabilität zu verleihen. Ihre „Macht der Schwere“ wird Kunst, indem sie die Schwere zeigt, erdlastig und elementar. Das Volumen der Akte steht für sich, beinahe statuarisch, abweisend gegen den Raum und sich seiner Durchdringbarkeit widersetzend - wie etwa die Skulpturen der alten Ägypter.

 

Wendlandts Aktfiguren sind in erster Linie in eine blockhafte Gestalt gebracht. Im Unterschied zu Arbeiten von Auguste Rodin, Henry Moore oder Alberto Giacometti gehen sie keine komplementäre Beziehung zum sie umgebenden Raum ein. Sie wirken nicht in diesen hinein, durchdringen ihn nicht und machen auch nicht unsere Vorstellung von Raum sichtbar, dessen Sichtbarmachung Alberto Giacometti indes seine ganze bildnerische und plastische Arbeit gewidmet hat. Ganz im Gegenteil verschließen sie sich diesem, bleiben dem schnellen Zugriff in ihrer Autonomie verwahrt. Volumen, Block und Statik: die drei charakteristischen Gestaltungsprinzipien der Bildhauerin finden wir auch in ihren thematischen Zuschreibungen der „Stehenden“ oder „Liegenden“ wieder. Alle Werke, ob gezeichnet oder modelliert, lassen stets ihr plastisches Gestalten spürbar werden. Dennoch gehen Figur und Raum eine indirekte Beziehung ein, auch wenn die Durchdringung und Sichtbarmachung von Raum nicht das eigentliche Thema ihrer künstlerischen Arbeit ist. Aus der Bildhauertradition der abendländischen Kunst wissen wir, dass sich Plastik prinzipiell nur zwischen den Polen Volumen und Figur, Körper und Raum, Statik und Dynamik entfalten kann. Obwohl Gertraud Wendlandt nicht das Problem des Raumes beziehungsweise. „Hohlraumes“ als plastischen Wert betont - hier sei an Henry Moore erinnert, der Steine und Skulpturen durchbohrte, um der Erfahrung mit Raum für das plastische Arbeiten neue ästhetische Impulse zu geben -, sondern ihr Arbeiten auf das Essentielle von Form und Linie reduziert, greift sie auf das traditionelle Problem von Figur und Raum zurück. Ihre Akte und Körper als Stehende, Liegende und Sitzende folgen stets einer plastischen Realisierung, deren Ziele die Gestaltung von Materialität und Monumentalität ist. Absichtsvoll gliedert Gertraud Wendlandt ihre Plastiken und lässt sie als gestaltete, Widerstand leistende Substanz Raum verdrängen. Damit macht sie unsere Vorstellung von Raumbezogenheit und Raumentfaltung als nicht sichtbare, identitätslose Qualität für den Betrachter erfahrbar.

 

Eine Tendenz zum Figurativen charakterisiert auch eine Mehrzahl der zeichnerischen Arbeiten. Der ganz monumentale Charakter, der ihre Skulpturen durch ihre dauerhaften, schweren und starren Stoffe (Ton und Beton) prägt, setzt sich in der zeichnerischen Darstellung oder vielmehr in ihrer sinnlichen Erscheinung fort. Auch hier scheinen die Figuren mit sinnlichem, nicht intellektuellem Auge erfasst und in zeichnerische Gestalt verwandelt worden zu sein. Die Zeichnungen können als eigenständiges Genre gesehen werden und sind nicht allein Skizze oder Entwurf. Ihren Linien, der Spannkraft ihrer Formen und Strukturen kann eine augenfällig illusionistische Greifbarkeit und naturalistische Wirksamkeit abgewonnen werden.

 

Die Interaktion von Individualität, Autonomie und Vitalität, das Erlebnis einer Existenzweise, findet in den plastischen und zeichnerischen Arbeiten Gertraud Wendlandts ihre adäquate ästhetische Form. Ihre Formqualität ist größtenteils das Ergebnis einer intuitiven, mitunter spielerischen Gestaltungslust, die ihre maximale bildhafte Manifestation gefunden zu haben scheint.

 

Gertraud Wendlandt studierte an der Kunsthochschule Berlin bei Prof. K. H. Schamal, K. Lemke und Prof. W. Stötzer. Arbeiten von Gertraud Wendlandt wurden in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen in Neubrandenburg, Berlin, Waren, Saßnitz, Seelow, Hamburg und Flensburg gezeigt.

 

Sie ist u.v.a. mit Werken vertreten im Schloss Gottorf, im Museum in Flensburg, in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, der Kunstsammlung Neubrandenburg, der Hochschule in Neubrandenburg, in Haßleben, in Neverin, Burg Stargard, Neustrelitz sowie im Museum in Alt Schwerin; z.B. mit überlebensgroßen Skulpturen und Skulpturengruppen, kleineren Arbeiten oder Zeichnungen und verschiedenen Brunnen.

 

In Ostdeutschland befinden sich außerdem ungezählte Reliefs und Porträts im öffentlichen Raum. Ebenso befinden sich Arbeiten der Künstlerin in vielen Privatsammlungen. François Maher Presley

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