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Telemann-Stiftung 
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Die Terrakotta von Gertraud Wendlandt

Hamburg als Musikstadt im 18. Jahrhundert


Seit dem 17. Jahrhundert  wächst Hamburg als Musikstadt in die obere Ebene europäischer Metropolen hinein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist sie ein Zentrum der Frühaufklärung in Europa.

Mit dem Dienstantritt Georg Philipp Telemanns in Hamburg im Jahre 1721 rückt die Hansestadt dann endgültig - neben Paris und London - in die Spitze der europäischen Musikmetropolen auf. Bis 1767 bestimmt Telemann das Musikleben der Stadt. Für seine Zeitgenossen war Telemann der meist geschätzte Komponist des 18. Jahrhunderts. 

 

Es  existieren nur wenige Bildnisse von Georg Phillipp Telemann. Zudem ist nicht bekannt, ob jemals eine Skulptur des Musikers angefertigt wurde. Im Jahrhundert der Aufklärung wurde die Ästhetik in Abgrenzung zum Hässlichen als Kategorie zur Qualifizierung von Kunstwerken begründet. Diese Qualifizierung steht naturgemäß in einem direkten Zusammenhang zum Zeitgeschmack. Das lässt darauf schließen, dass die wenigen Bilder, die Telemann zeigen, entsprechend gefertigt und zudem ihn im Sinne des damaligen Geschmackes „geschönt“ darstellen, was nicht sagen will, dass es sich bei ihm nach heutigen Maßstäben um einen hässlichen Mann gehandelt hat. Nur entwickelte sich zu jener Zeit der Kunstbegriff erst langsam in die Richtung, wie wir ihn heute verstehen. Natürlich zeigen die Darstellungen ihn ausschließlich mit den damals üblichen Perücken, deren Frisur und Sitz einen Kopf, allemal auch ein Gesicht völlig anders erscheinen lassen können, dem Geschmack der Zeit entsprechend auch sollen.

 

Eine heutige Skulptur ist weniger eine genaue Wiedergabe der Ansicht einem Foto gleich, sondern mehr der Versuch, den Ausdruck und die Wirkung einer Person festzuhalten und zwar in der Art, das unabhängig vom tatsächlichen Aussehen, dem Material oder des künstlerischen Stils das Charisma der Person sich Raum nimmt, die Wirkung der Skulptur durch den Charakter der Person bestimmt ist, die es darzustellen gilt, der Ausdruck der Arbeit dann wiederum den Charakter widerspiegelt.

 

In diesem Sinne hat Gertraud Wendland bei ihrer Arbeit auf die Sprache der alten Bildnisse verzichtet, sondern sich entgegengesetzt von der Reduktion leiten lassen. Die Darstellung, wie sie als Terrakotta vorliegt, wurde vom Material bestimmt. Gewollt ist eine strenge, schmale, wenig raumgreifende Gesamtform, bei der auf die ohnehin schwer plastisch darzustellende Perücke vollends verzichtet wurde, bei der sich Kopfform und Form des Oberkörpers bedingen, ja Einheit sind. Diese stilisierte Form beider auch optisch ineinander übergehender Teile kann damit auch gut auf eine Aufsockelung verzichten, fungiert dafür nun der Oberkörper.

 

Im eigentlichen Sinne handelt es sich bei der Arbeit der Künstlerin lediglich um die Wiedergabe dessen, was sie anhand der Musik Telemanns für einen Eindruck von diesem gefühlt hat: „Telemanns Musik empfinde ich als erstaunlich modern. Sie ist streng gebaut, klar, sinnlich, kräftig und hat keine unnötigen Verzierungen“, sagt Gertraud Wendlandt, weswegen ein klassisches Portrait von vornherein überhaupt nicht in Frage kam. Und dennoch vermittelt das hier gewählte Material und die Form eine ganz spezielle Lebendigkeit, ob die raue Struktur oder die Möglichkeit für den Betrachter, einen Teil seiner Vorstellungen in die Person mit einzubringen.

 

Anders verhält es sich bei der zweiten Arbeit der Künstlerin, einer Bronze des Meisters mit Sockel. François Maher Presley

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