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Telemann-Stiftung 
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Telemanns Schaffen

Privatmusik

„Nicht ich habe die Töne gesucht, sondern die Töne haben mich gesucht“, so hat Georg Philipp Telemann einmal sinngemäß über sich selbst gesagt. Er war reich an musikalischen Einfällen. Viele Kompositionen hat er freiwillig und ohne durch seine Ämter dazu verpflichtet zu sein geschaffen. Neben wirtschaftlichen Interessen war ein wesentliches Motiv, Musikliebhabern Spielmaterial zu verschaffen und wertvolle praktische Tipps zu vermitteln.

Wie erhöht man zum Beispiel die Wirkung eines langsamen Satzes durch Anbringen angemessener Verzierung? Telemanns „Methodische Sonaten“ gelten allgemein als klingende Verzierungslehre. Kein Studiengang führt an ihnen vorbei. Das private Musikleben fand im 17. und 18. Jahrhundert vielfach in einem so genannten „Collegium musicum“ statt. Auch in Hamburg hatte sich unter der Leitung von Telemann ein solcher Zusammenschluss von Musikliebhabern gebildet. Mit seinen öffentlichen Aufführungen trug das Collegium musicum ganz wesentlich dazu bei, dass es in Hamburg mit zunehmender Tendenz ein Musikleben außerhalb der Kirchen und der höfischen und repräsentativen Anlässe gab.

 

Musique De Table

Der Besitz von Musiknoten war im frühen 18. Jahrhundert Luxus. Ihre Vervielfältigung setzte einen Notenstecher voraus, der Noten, Notenschlüssel und Notenlinien zum Beispiel auf Kupferplatten übertrug. Diese dienten dann als Druckform.

Der Bedarf an Notenausgaben stieg zu Telemanns Zeit sowohl inadligen als auch in bürgerlichen Kreisen. Man schätzte gepflegte Unterhaltung, besonders, wenn sich daran die wachsende Zahl von Amateurmusikern eigenhändig beteiligen konnte.

Telemann nutzte dies und wurde selbst nicht nur zum Verleger seiner Kompositionen, sondern fand auch Gefallen am eigenhändigen Notenstechen. Um das ökonomische Risiko gering zu halten, arbeitete er mit Subskription: Er holte im Vorwege verbindliche Bestellungen ein, produzierte nur so viele Exemplare wie nötig und gewährleistete so die Deckung der Herstellungskosten.

Europaweit verkaufte sich besonders Telemanns „Tafelmusik“ gut, eine dreiteilige Sammlung, in der jeweils vom Solo über das Trio und das Quartett bis hin zur Ensemblebesetzung die verschiedensten Instrumentenkombinationen aufgeboten werden.


 

Höfische Musik

Absolutistische Herrscher oder Organe bzw. Institutionen der kommunalen Selbstverwaltung hatten schon immer die Bedeutung der Musik als Ausdruck von Machtrepräsentation erkannt. Entsprechend hielten sie sich eigene Hofkapellen und –Kapellmeister. Telemann selbst hatte in Eisenach und Sorau von dem Vorhandensein solcher Einrichtungen und Positionen profitiert.

Nicht selten wurde Telemanns Schaffensdrang angeregt durch gute Hofkapellen und durch Virtuosen. Der Dresdener Violinvirtuose Johann Georg Pisendel beeindruckte Telemann so, dass er sich nicht nur mit ihm befreundete, sondern auch eigens für ihn ein raffiniertes Violinkonzert komponierte.

Für die Darmstädter Hofkapelle und andere schrieb Telemann etliche der zu seiner Zeit beliebten Ouvertürensuiten, Folgen von Hoftänzen mit einer dreiteiligen Einleitung.

In Hamburg setzte er seine Beiträge zu dieser Gattung fort, manchmal mit besonderem Lokalkolorit, wie in seiner „Alsterouvertüre“ oder in der berühmten „Hamburger Ebb‘ und Fluth“. 

Obwohl Telemann von sich gesagt hat, Konzerte lägen ihm nicht, hat er zahlreiche Solo- und Gruppenkonzerte komponiert, darunter auch eines für die seltene Besetzung mit einer Bratsche als Soloinstrument.


 

Musikzeitschrift

Im Jahr 1728 schuf Telemann die erste Musikzeitschrift Europas. Er nannte sie „Der getreue Musik-Meister“. Mit diesem Fortsetzungswerk wandte sich Telemann an Musikliebhaber, die sich im privathäuslichen Bereich anhand seiner Kompositionen mit vielfältigen musikalischen Formen befassen und ihre Fertigkeiten auf ihren Instrumenten daran messen und üben konnten.

Alle zwei Wochen erschien eine neue Folge, die vorher in den Hamburger Tageszeitungen angekündigt wurde. Sie enthielt „so wol für Sänger als Instrumentalisten allerhand Gattungen musicalischer Stücke... mithin das mehreste, was nur in der Music vorkommen mag, nach Italiänischer, Französischer, Englischer, Polnischer, ernsthaft- als lebhaft- und lustigen Ahrt“.

Arien, Cembalostücke, Fugen, Kanons und Sonaten wurden auf diese Weise schnell zum beliebten Allgemeingut der wohlhabenden Hamburger Bevölkerung. Musikliebhaber warteten gespannt auf die neueste Lieferung, um dann - zum Beispiel - endlich ihre Lieblingssonate vollständig zu haben.


 

Kirchenmusik

Nach seiner eigenen Aussage lag Telemann die Kirchenmusik besonders am Herzen. Mit ihr kamen an allen Sonn- und kirchlichen Feiertagen auch jene Menschen in Berührung, die sich einen Besuch in der Oper oder einem Konzert, das Erlernen eines teuren Musikinstruments und den Erwerb von Noten nicht leisten konnten.

 

Telemann verwandte viel Mühe darauf, qualitativ hochwertige Werke für diesen Bereich zu schaffen. Dabei schöpfte er die Möglichkeiten, die ihm die Hamburgische Gottesdienstordnung ließ, voll aus, indem er an drei Stellen des Gottesdienstes Musik aufführte: vor der Predigt, nach der Predigt und zum Schluss.

 

Sein ganzes Berufsleben lang hat Telemann an der Fortentwicklung der Kirchenmusik und ihrer Ausführung gearbeitet. Um auch überregional vorbildlich wirken zu können, ließ er mehrere Jahrgänge, also Musiken für alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres vom 1. Advent bis zum Ewigkeitssonntag, im Druck erscheinen. Wir wissen heute noch von etwa 1.500 ordentlichen, für den Gottesdienst bestimmten Kirchenmusiken Telemanns.

 

Der Anspruch, den Telemann an sich selbst hatte, gestattete ihm kaum Wiederholungen. Die einzige Erleichterung, die er sich verschaffte, bestand darin, dass er beispielsweise einen Jahrgang, den er für Hamburg komponiert hatte, anschließend nach Frankfurt weitergab. Frankfurt und Eisenach wurden von Telemann aufgrund alter Vereinbarungen auch von Hamburg aus noch „beliefert“.

 

Die Oper

Hamburg verfügte seit 1678 über eine Oper mit stehendem Ensemble, die fortlaufend bespielt wurde. Sie befand sich am Gänsemarkt und wurde von wohlhabenden Bürgern und in Hamburg ansässigen Diplomaten finanziert. Das Haus bot 2.000 Zuschauern Platz und galt seinerzeit als das wichtigste bürgerlich-städtische Theater im deutschen Sprachraum.

 

Eigentlich gehörte es nicht zu Telemanns Amtspflichten, an der Oper mitzuwirken. Aber wie für die meisten Komponisten, so hatte auch für Telemann diese Kunstform eine besondere Anziehungskraft.

 

Als Kapellmeister und Komponist verhalf Telemann der berühmten Hamburger Gänsemarktoper zu einer letzten Hochblüte, bevor das Haus 1739 geschlossen werden musste.

 

Oratorien

Telemann war daran gelegen, Oratorien zu schaffen, deren textliche Grundlage geistlich war, die biblische Geschichte aber frei interpretierte. So wurde mehr Raum für Dramatik und Gefühlsausdruck geschaffen.

 

Der Hamburger Ratsherr Barthold Hinrich Brockes hatte in diesem Sinne einen ganz neuen Text über die Passionsgeschichte gedichtet, den Telemann 1716 vertonte. Nach diesem Vorbild dichtete und vertonte er selbst sein „Seliges Erwägen des bitteren Leidens und Sterbens Jesu“, das er 1722 erstmals in Hamburg aufführte.

 

Dieses Passionsoratorium sollte zu Telemanns Lebzeiten zur meistgespielten seiner Kompositionen werden und blieb auch lange über seinen Tod hinaus im jährlichen Hamburger Passionsrepertoire. Zu den bekannteren Oratorien gehört auch „Der Messias“, die Vertonung des ersten und zehnten Gesangs des Klopstock-Epos, das 1759 im Hamburger Drillhaus einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

 

1761 regte die Eröffnung eines neuen Konzertsaals in Hamburg den mittlerweile 80-jährigen Telemann noch einmal zu neuer Produktivität an. Das Ergebnis waren vokalsinfonische Kompositionen mit hoher Dramatik und ungewöhnlicher Harmonik wie „Ino“ und „Der Tag des Gerichts“.

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